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Volk

Eine "sub-page" zur Seite pro-re-publica.de von Christian Heinze von 2019 09.

Ein Volk ist eine durch Sprache, Lebensweise, Interessen, Kultur (Ethnie), Religion, die Organisation des Zusammenlebens und oft auch durch dieselbe Heimat mehrerer Generationen in Verbindung mit seiner dadurch geprägten gemeinsame Geschichte verbundene und von anderen unterschiedene Gruppe von Familien und Personen. Die Volksgemeinschaft ist vom Volk nicht zu unterscheiden, der Ausdruck betont lediglich das Merkmal der Gemeinsamkeit.

Die ein Volk kennzeichnenden Merkmale können je nach dem anzuwendenden Maßstab (zum Beispiel Frieden, Wohlergehen des Volks oder einer Mehrheit von Völkern) unterschiedlich bewertet werden. Die Bewertung gehört daher nicht zum Begriff des Volks. Die Merkmale können unterschiedliches Gewicht haben, maßgeblich für die Qualität des Volkstums ist jedenfalls die Intensität des Bewusstseins, Empfindens und Bekenntnisses der Zusammengehörigkeit bis hin zur Vaterlandsliebe (Patriotismus) sowie des gemeinsamen Verhaltens in Unterscheidung von Anderen. Es wird besonders stark durch ein Erlebnis als Opfer desselben gruppenbezogenen Leides oder als Handelnde eines gemeinsamen Bestrebens, insbesondere eines gemeinsamen Kampfes geprägt.

Bejahung und Ablehnung der Bedeutung und Bewertung völkischer Identität ist mit Übernahme oder Zurückweisung von Mitverantwortung für das historische Verhalten und mit Anspruch oder Verzicht auf Teilhabe an den Verdiensten eines Volks verbunden.

Ein Volk ist eine besonders geeignete aber nicht notwendige Grundlage einer Staatsbildung. (Siehe Demokratie und Staat.)

Die Bewertung der Volksgemeinschaft wurde von der Führung der deutschen nationalsozialistischen Bewegung der 20er bis 40er Jahre des 20. Jahrhunderts maßlos übersteigert. Den Wunsch der Deutschen nach Wiederherstellung ihres Gleichranges mit anderen Nationen nach dem Verlust des Ersten Weltkriegs und ihre Liebe zu Deutschland pervertierte der Nationalsozialismus zur Hybris eines Anspruchs auf völkische Überlegenheit über alles in der Welt und insbesondere auf Unterwerfung Europas und der "Räume im Osten". Den Überlegenheitsanspruch untermauerte seine Propaganda durch den wahnhaften Mythos einer aus "Blut und Boden" abzuleitenden Besonderheit des deutschen Volks als "Herrenrasse", die seine Abgrenzung gegen "Artfremde" und am Ende deren Vernichtung forderte. Der Nationalsozialismus suchte seine Ansprüche schließlich in der Hybris einer Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und in verbrecherischer Verfolgung und Massenermordung von Angehörigen unterschiedlicher Rassen und Völker zu verwirklichen.

Um seine Ziele zu erreichen, verband der Nationalsozialismus unter Rückgriff auf dem deutschen Volk oder den deutschen Völkern durchaus geläufige Traditionen den Gedanken der Volksgemeinschaft mit einer überragenden Bewertung einer von ihr selbst beherrschten Organisation von Führertum und Gefolgschaft und unter anderem mit dem verführerischen Slogan "Einer für Alle, Alle für Einen", um daraus letztlich totale Unterwerfung des Einzelnen unter das vom Diktator definierte angebliche Wohl der Allgemeinheit herzuleiten.

Dieser Perversion des Gedankens der Volksgemeinschaft sollte nicht gestattet werden, den für die Bezeichnung einer Voraussetzung gedeihlichen gesellschaftlichen und staatlichen Zusammenlebens geeigneten und bewährten Begriff zu usurpieren und mit einem Tabu zu belegen, das ihn unbrauchbar macht. Denn damit würde auch der guten Sache geschadet. Sie würde Volksgemeinschaft in Gefahr bringen, mit dem Begriff selbst in Verruf zu geraten. Vielmehr ist dem Begriff im eingangs umrissenen Sinn sein Ort in der Diskussion von Gesellschaft und Staat zu erhalten. Allerdings ist er von jeder Assoziation mit Diskriminierung oder Aggressivität, von jeder Überbewertung oder Verabsolutierung von Gemeinschafts- und Missachtung von Einzelinteressen und insbesondere von jeder Überbewertung der eignen Nation im Vergleich mit anderen freizuhalten.

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