Der Staatsbegriff:

Ein Staat ist die Gesamtheit einer in einem definierten Gebiet permanent mit Hilfe einer höchsten territorialen Gewalt geordnet zusammenlebenden Bevölkerung.


- Die Staatsgewalt (Souveränität<) ist die innerhalb des Staatsgebietes allen anderen Mächten grundsätzlich überlegene Macht einer Person oder organisierten Personengruppe, die die staatlichen Normen definiert und ihre Einhaltung gebietsweit und permanent durchsetzt. Sie allein kann Abwesenheit von Gewalt und damit Freiheit´< letztendlich gewährleisten. Die Art des Zustandekommens der Staatsgewalt ist begrifflich irrelevant. Ebensowenig gehört die Herkunft der Normen zu den Merkmalen des Staatsbegriffs. Sie gehört zur Staatsform<.
- Im Sinne des Staatsbegriffs ist Ordnung das Ergebnis der Einhaltung von Normen. Merkmal des Staatsbegriffs ist eine Ordnung, die mindestens die wichtigsten Konflikte der Bevölkerung abdeckt.
- Die Ausdehnung der Staatsgebiete ist beschränkt durch die tatsächliche Möglichkeit, überall darin eine bestimmte Staatsordnung permanent durchzusetzen.
- Die durch historisch-kulturelle Identität gekennzeichneten Begriffe des Volks oder der Nation gehören nicht zum hier vorgeschlagenen Staatsbegriff; es genügt eine Bevölkerung , die allerdings ein Mindestmaß an Homogenität und Verbundenheit aufweisen muss. Die Namen „Volk“ und „Nation“ werden aber vielfach der durch einen Staat verbundenen Bevölkerung zugeordnet.
- Das Merkmal der Permanenz ist das Ergebnis einer Prognose, die alle gegebenen und voraussehbaren (natürlichen, soziologischen, technischen) Bedingungen für die Permanenz und Gebietsausdehnung einer Staatsmacht berücksichtigt. Begriffsmerkmal ist die Richtigkeit der Prognose, nicht die formale Anerkennung durch eine gleichviel wie legitimierte Instanz
- Der Staatsbegriff beschreibt Wirklichkeiten ohne dass deren Wert, von den Vorzügen jeder Ordnung und insbesondere der Monopolisierung von Gewalt abgesehen, zu ihren Merkmalen gehört. Weitergehende inhaltliche Bewertungen konkreter Staaten können ihren Verfassungen< oder internationalen Verträgen oder Gesamtakten entnommen werden oder werden von außen, etwa durch Ideologien<, an sie herangetragen.
- Die Begriffsbildung bezieht ihre Berechtigung daraus, dass die Entfaltung von Staaten zu den wichtigsten Faktoren der Unterhaltung und Störung von Frieden< und der Förderung oder Beschädigung des Wohls der Menschen gehört und dass die Unterhaltung von Staaten, deren Gebiete zusammengenommen die Erdoberfläche umfassen, Weltfrieden zwar nicht gewährleistet aber zu seinen Voraussetzungen gehört. Die Wahl des Namens „Staat“ ergibt sich aus der die historische Entwicklung begleitenden Terminologie.

Auf das Projekt der Gründung eines Staates oder einer Ersetzung seiner begriffsnotwendigen Komponenten, das die Erfüllung aller begriffsnotwendigen Merkmale voraussichtlich auf absehbare Zeit verfehlt, trifft die Bezeichnung „failed state“ zu.