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Stand 2016 10 05

Eine Auswahl wichtiger Daten der türkischen Geschichte

Daten der türkischen Geschichte zwischen 1453 und 1821

1453 Die Eroberung von Konstantinopel durch den Osmanen-Sultan Mehmet II. markiert das Ende des Byzantinischen Reichs. Beginn der Ausdehnung der Osmanen-Herrschaft über ganz Kleinasien und darüber hinaus.

Die Osmanen waren die Nachfolger Osmans I. aus dem oghusischen Clan der Kayi. Osman war Anfang des 14. Jahrhunderts Herrschers eines nomadischen turkmenischen Stammes im Nordwesten Anatoliens, der im Begriffe war, sich vom Reich der Rum-Seldschuken unabhängig zu machen und seinen Herrschaftsbereich auf Kosten des byzantinischen Reichs auszuweiten.
1516 Sultan Selim II, erobert Ägypten, Syrien und Länder am Roten Meer.
1529 Türken vor Wien.
1653 Die Osmanische Herrschaft erstreckt sich über den gesamten Balkan, Kleinasien, Gebiete an den Rändern des Schwarzen Meeres und im Kaukasus sowie über den Irak und Marokko. Wendepunkt ist die Abweisung des erneuten und letzten Angriffs der Osmanen auf Wien.
In den beiden folgenden Jahrhunderten verliert das Osamenreich schrittweise den größten Teil seiner Eroberungen an Staaten, die sich unter österreichischer und russischer Hegemonie und unter englischer, französischer und italienischer Kolonialherrschaft jenseits von Anatolien bilden.
zB 1768-1774 Russisch-Türkischer Krieg endet in türkischer Niederlage, die Pforte tritt ihre Gebiete nördlich des Kaukasus und die südliche Ukraine an Russland ab. Während dieses Krieges hatte Russland Griechen zu einem aussichtslosen Aufstand aufgestachelt, der von den Türken mit albanischen Söldnern brutal niedergeschlage wurde (Hölderlins Roman "Hyperion"). Seither Interventionen Russlands zugunsten Christen (u.a. Armenier) in der Türkei.

Die wichtigesten Daten der türkischen Geschichte von 1821 bis 1939

1821-1829 Vor dem Hintergrund des Niedergangs des osmanischen Reichs und Sultanats: Griechische Revolution gegen die türkische Herrschaft mit Unterstützung Frankreichs, Englands und Russlands. Die Alliierten tragen den Krie nach Anatolien hinein. Wechselnde Erfolge beider Seiten (wichtiger Beitrag des türkischen Statthalters in Ägypten Mehmed Ali). 1827 unterliegen die Türken bei Navarino (Pylos) einer britisch-französischen Flotte und verlieren Athen. De facto Souveränität Griechenlands über sein Kernland.
1827 Griechenland wird unabhängig von osmanischer Herrschaft.
1828 Rußland erobert Eriwan und Nachitschewan gegen Persien.
1829 Frieden von Adrianopel (Edirne) zwischen Russland und der Türkei. England beginnt die Türkei gegen Rußland zu unterstützen.
1830 Die Franzosen in Algerien.
1832 Otto von Wittelsbach König von Griechenland, bekannte sich zur megali idea, abgedankt 1862.
1844 Der griechische Premierminister Joannes Kolettis verkündet die "Megali Idea" die sich später Eleftherios Venizelos zu eigen machte: Constantinopel ist die große Hauptstadt aller Helenen, ihr Reich umfasst den Westen und Südwesten Anatoliens.
1853-56 Krim-Krieg Frankreichs, Englands und der Türkei gegen Rußland wegen dessen Vordringen in Richtung Bosporus und die russischen Ansprüche auf "Schutzherrschaft" über den Balkan und über die orthodoxen Christen im osmanischen Reich. Auslöser: russische Unterstützung aggressiver Griechisch-Orthodoxer Klerikaler in Jerusalem und russischer Protektoratsanspruch über die Region. Friede von Paris. Schlacht um Sewastopol. Feindschaft zwischen Österreich und Rußland entlastet die Bismarck’sche Reichspolitik.
1861 bis 1876 Sultan Abdulaziz. Beginn der "Tanzimat"-Reformen. (Ausrichtung auf konstitutionelle Monarchie:)
1863 Der Däne Georg I. von Glücksburg nennt sich "König der Hellenen".
1866 Selbstmörderischer Aufstand der griechischen Kreter gegen die türkische Herrschaft.
1871 Italiener in Libyen (Victor Emmanuel III).
1875 Türkischer Staatsbankrott.
1876 Grausame Niederwerfung bulgarischer Aufstände durch die Türken erzeugt antitürkische Stimmung in Europa (William Gladstone).

Abdulaziz gestürzt (Selbstmord); Dreimonatige Regierung Sultan Murat V., danach bis 1909: Sultan Abd Ül Hamid II.

Reformbewegung der „Jungtürken“ - eine militärische und zivile Elite - erzwingt den Erlaß einer Verfassung durch den Sultan (23.12.1876). Beginn der "Tanzimat"-Reformen. AbdÜlHamid II gilt als "aufgeklärter" Monarch.
1877 19.3. erste Zusammenkunft des türkischen Parlaments. Stimmung nationaler Zusammengehörigkeit der Völker und Religionsgemeinschaften im ganzen Reich.
1877/78 Russisch-türkischer Krieg auf dem Balkan und im Kaukasus, Unterstützung der Unabhängigkeitsbestrebungen Serbiens und Bulgariens. Abdulhamit suspendiert die Verfassung und ruft zum "Jihad" auf. Die Russen dringen bis Konstantinopel vor, im Osten erobern sie Kars. Im Diktatfrieden von San Stefano (Yesilköy) wird Russland Artvin, Kars und Ardahan zugesprochen. Türkei verliert Batum. Verfassung von 1876 suspendiert. Schaffung eines Groß-Bulgarien. Rumänien, Serbien, Montenegro gebildet. Bosnien, Herzegowina autonom. Berliner Kongreß (1878) korrigiert unter Beteiligung Bismarcks den Frieden von San Stefano. Armenier melden Anspruch auf Autonomie an. Der Vertrag von Berlin enthält Autonomieklauseln zu ihren Gunsten. Zurückdrängung Rußlands auf dem Balkan. Dessen Interessen auf dem Balkan führen zur deutsch-österreichischer Allianz.
1878-1908 Während der restlichen Regierungszeit steht der Sultan ständig unter dem Druck der Jungtürken (Komitee für Einheit und Fortschritt - Ittihat ve Terakki - Committee of Union and Progress - CUP).
1878 Verpfändung Zyperns an England (Sicherung der englischen Asienpolitik) im Gegenzug gegen englische Hilfe gegen Rußland.
1878-1882 Frankreich bemächtigt sich Tunesiens. England bemächtigt sich Ägyptens.
1881 In der Konferenz von Konstantinopel erhält Griechenland Thessalien und einen Teil des Epirus zugeprochen, deren es sich mit Hilfe der Westmächte bemächtigt hat.
1882 Großbritannien besetzt Ägypten.

Einführung separater griechischer und türkischer Gemeindeverwaltungen in Zypern durch die britische Kolonialregierung bildet die Grundlage für griechische Bestrebungen zur Durchsetzung eines "Selbstverwaltungsrechts" auf Anschluss an Griechenland.
1883-1895 Reorganisation der türkischen Armee durch den preußischen Generalfeldmarschall Colmar Graf von der Goltz.
1887-1894 Die Armenier, die schon seit den 70er Jahren ihre Autonomieansprüche geltend gemacht haben, formatieren sich zu einer organisierten politischen Macht (1887 Hunchak-Gesellschaft in Genf, die durch Russland (Orthodoxie) Unterstützung findet (1890 Dashnak-Bündnis).
1894-1896 Verfolgung der Armenier in den Räumen Erzurum, Van, Bitlis, Diyarbakir, Harput, Sivasals als Reaktion auf ihre Auflehnungen (1894 durch Kurden in Sasun). 1895 armenischer Marsch auf Istanbul. Mindestens 37.000 Armenier getötet, hunderttausende vertrieben (Rogan S. 12: bis 300.000 Tote und Verwundete). Armenier 1896 diskreditiert durch Dashnak-Angriff auf die Osmanische Bank in Istanbul, wo als Reaktion 8.000 Armenier getötet wurden.
1896-1897 Der Aufstand der griechischen Kreter erhält Unterstützung durch die nationalistische Geheimorganisation "Ethniki Etairia" und griechische Streitkräfte; nach Kriegserklärung Griechenlands an die Türkei 1897 türkischer Sieg (mit deutscher Planungshilfe), dennoch sprechen die Westmächte der Insel Autonomie unter griechischem Protektorat und türkischer Soiveränität zu. Die Reparationsschulden des im Krieg unterlegenen Griechenland führten zu seiner Unterstellung unter internationale Finanzaufsicht, der die Türkei allerdings bereits seit einigen Jahren unterstand. In der Folgezeit vertreiben die kretischen Griechen 80.000 Türken von der Insel.
1898 Besuch Kaiser Wilhelms II in Istanbul: Deutsche Freundschaft mit 300 Millionen mohammedanischen Untertanen des Caliphen. Deutsche Beteiligung an der Konkurrenz zwischen England, Russland und der Türkei über Macht zwischen Kaukasus, Ost- Anatolien, und den Territorien zwischen dem Iran und Mittelmeer führt zu europäischen Spannungen.
1899 Deutsche Konzession für eine Eisenbahn zwischen Istabuld und Bagdad. (Baubeginn 1903, Verbindung Istanbul-Ankara-Adana 1914 sowie 60 km von Baghdad aus fertiggestellt.)
1908 Revolte der Osmanischen Mazedonischen (3.) Armee, "Jungtürkische Revolution", Verlangen nach Wiederherstellung der Verfassung von 1876 (Major Ismail Enver, Major Ahmet Cemal, Mehmed Talat - ein Postbeamter, Niyazi). AbdÜlHamid lenkt ein. CUP: Justice, Equality, Fraternity ! Araber und diverse Religiongruppen sowie Armenier (Dashnaks) einbezogen.

Bosnien und Herzegowina an Österreich-Ungang, Bulgarien wird Königreich. Kreta erklärt den Anschluß an Griechenland (bestätigt durch Griechenland 1912).
1909 Die "Jungtürken" stürzen Sultan Abd Ül-Hamid und setzen Mehmed V. ein. Verfassungsgemäße Regierung Enver Pascha. Bürgerkrieg. Brutale Armenier-Verfolgung mit 20.000 Toten (Adana - Rogan S. 13). Cemal Pasha stellt Ordnung wieder her und veranlasst Entschädigung, auch um die Unterstützung der Dashnaks für die CPU zu sichern.
1910-1913 Die Schwäche des Osmanreichs erlaubt es Italien (seit 1871 Königkreich), unter Viktor Emmanuel III 1911 mit 30.000 Mann in Libyen (Tripoli, Benghasi) Fuß zu fassen. Erfolgreiche Angriffe der Türken und ihrer örtlichen Verbündeten verhindern Sicherung der italienischen Herrschaft, Italiener beschießen Beirut, greifen die Dardanellen an und bewegen Montenegro, Serbien, Bulgarien und Griechenland, sich zu einem Krieg gegen die Türkei zusammenzufinden, die die Verteidigung ihrer Balkanterritorien vernachlässigt hatten (1912 - Erster Balkankrieg , Unterlegenheit der Türken 320.000 gegen 715.000). Italien und Griechenland greifen auf Mazedonien, den Epiros, auf die Inseln vor der kleinasiatischen Küste („Dodekanes)“ samt Thalos und Samos zu. In der Londoner Konferenz von 1912 vereinbart die Türkei Waffenruhe mit Serbien und Bulgarien.
1913 Der innertürkische Streit zwischen osmanischer Regierung und CUP führt in einer von Enver geführten Palastrevolution zur Einsetzung einer neuen Regierung, noch ohne die CUP. Die nach Ende der Waffenruhe von Enver fortgeführten Kämpfe führen zum Verlust fast aller türkischen Territorien in Europa einschließlich Edirne mit Ausnahme von Teilen von Thrazien. Im Vertrag von London von 1913 verzichtet die Türkei auch förmlich auf Kreta. Ermordung des Regierungschefs Sevket Pasha. Machtübernahme der CUP. Regierung Said Hamil Pasha. Talat Innenminister, Enver Kriegsminister, Cemal Gouverneur von Istanbul.

Österreich und Italien unterstützen Unabhhängigkeit Albaniens. Bulgarien kämpft im Zweiten Balkankrieg gegen Griechenland und Serbien um die der Türkei abgenommene Beute. Der Frieden von Bukarest beendet die Balkankriege. In der Folgezeit wurden hunderttausende Griechen aus Anatolien und hunderttausende Mohammedaner aus Mazedonien vertrieben. Enver gewinnt Edirne und Teile von Thrazien für die Türkei zurück.

Nationale Bestrebungen führen zu Spannungen mit den "arabischen Osmanen". Erster Arabischer Congress in Paris.
1913 Türkei auf der Suche nach Beistand gegen Russland bei Frankreich, England und Deutschland. Deutschland unterstützt türkische Armee-Reform (Liman von Sanders).
1914 Deutsch-Türkische Vereinbarung (2.8.). Türkei tritt dem Krieg auf Seiten der Mittelmächte bei (31.10.). Rußland, Frankreich und England erklären der Türkei den Krieg. Schlachtschiff Goeben und Panzerkreuzer Breslau beschießen die algerische Küste und kreuzen danach ins Schwarze Meer.

England erklärt der Türkei den Krieg und annektiert förmlich Ägypten und Zypern.
1914-1918 In wechselvollen, zum Teil ausserordentlich heftigen, unter großen Strapazen (extreme Kälte oder Hitze in lebensfeindlichem Gelände bei oft vollkommen unzureichender Kleidung und Ausrüstung, unter Hunger, Krankheit und extremen körperlichen Anstrengungen bei Märschen und Mann gegen Mann) erbittert ausgetragenen Kämpfen gegen Russen und Armenier im Kaukasus, gegen Engländer mit ihren australischen und indischen Hilfstruppen im Zweistromland und im Raum zwischen Zentral-Arabien und Mittelmeer erlitten die von deutschen Offizieren und Soldaten unterstützten Osmanen meist Niederlagen. Manchmal genossen sie Unterstützung von Arabern und Bedouinen, die sie jedoch häufig auch im Stich gelassen oder sogar bekämpft haben. Herausragende Einzelkämpfe fanden im Kaukasus, in Mesopotanien, um Gallipoli und Aden, um den Suezkanal, den Sinai und um Jerusalem statt.
1914-1915 Im Winter 1914 führte Enver Pascha die unzulänglich ausgerüstete und schlecht versorgte, zuletzt bei den Rückzugskämpfen der Türken auf dem Balkan leidlich erfolgreiche 3. Armee in den Kaukasus gegen die Russen. Viele türkische Soldaten hatten nicht einmal ordentliches Schuhwerk. Der Feldherr trieb 100.000 Mann durch verschneites Hochgebirge und befahl den Hauptangriff ungeduldig ehe ein starker Teil seiner Trupper zu ihm gestoßen war. Das Ergebnis war nach hart erkämpften Anfangserfolgen eine vollständige Niederlage vor Sarikamis. Nur 18.000 Soldaten kehrten aus der Expedition zurück. Mehrere Stunden lang hatten sich zwei türkische Regimenter für Feinde gehalten und bekämpft. Soldaten aus dem türkischen Teil Armeniens desertierten zu den Russen; Armenier wurden bald von den Türken als unzuverlässig verdächtigt, isoliert und sogar umgebracht. Allerdings waren die Russen zu sehr geschwächt, um ihren Sieg in Verfolgung der Türken nutzen zu können.

Wenig später setzte Cemal Pascha zu einem wohlvorbereiteten Angriff auf den Suezkanal an, der jedoch ebenfalls mit einem Rückzug endete, weil sich die türkischen Angreifer westlich des Kanals nicht halten und gegen die englischen Kampfschiffe nicht durchsetzen konnten. Danach begnügten sich die Türken mit der Einrichtung von Artillerie- Stellungen in Reichweite des Kanals.

Griechenland (König Konstantin) lehnt das Angebot Englands ab, gegen Überlassung Zyperns auf Seiten der Alliierten in den Krieg einzutreten.
1915-1916 In Mesopotamien begann der Kampf mit wiederholten Versuchen der Türken, Basra einzunehmen, was trotz großen Einsatzes nicht gelang. Anfang 1915 mussten sich die Türken aus dem Shatt al Arab endgültig zurückziehen.

Im Februar 1915 - Britischer Premierminister war zu dieser Zeit H.H. Asquith - griffen Briten und Franzosen mit einer großen Flottenkonzentration nach Besetzung der Insel Lemnos die Dardanellen an. Der Angriff begann mit Schiffsartilleriebeschlu am 19.2. am 18.3. begann die Seeschlacht. Im April landeten die Engländer und Franzosen zusammen mit einem australisch-neuseeländischen Truppenkontingent bei Cap Helles und Gaba Tepe. In verlustreichen unter großem Einsatz vorgetragenen Angriffen und Gegenangriffen konnten die Türken mit deutscher Hilfe das Vordringen der Alliierten der Halbinsel verhindern. In der Schlacht von Gully Ravine - Zigindere im Juni (mit 3.800 Toten auf alliierter und 14.000 Toten auf türkischer Seite - Film „Gallipoli“ von Peter Weir, 1981, vor allem aus australischer Sicht) erleiden die Alliierten eine empfindliche Niederlage. Der Kampf um die Dardanellen endete mit einer blitzartigen Flucht der Alliierten seit 18.12. und einem vollständigen Sieg der Türken. Am 9.1.1916 verließ der letzte alliierte Soldat die Halbinsel. 800.000 Soldaten hatten in Gallipoli gekämpft, von denen zu ähnlichen Anteilen auf beiden Seiten 500.000 verwundet, gefangen genommen oder getötet wurden (es starben in Gallipoli 86.500 Osmanen, 42.000 Briten und Angehörige der Britischen Dominien sowie 14.000 französische und -kaiserliche Soldaten, zusammen 140.000 Mann - Rogan S. 214). Als Abschnittskommandant von Anifartalar im Gallipoli-Feldzug hatte Mustafa Kemal Ruhm erworben, der dem späteren Kemal Atatürk den Einstieg in die Politik erleichterte.

Ein weiterer bedeutender Sieg gelang den Türken durch Einkreisung einer unvorsichtig vorausgeeilten britischen Truppe in Kut am Euphrat und Abwehr mehrere mit großer Anstrengung vorgetragener Entsetzungsversuche. Das monatelange Ausharren des englischen Kommandeurs Townshend bis zur Kapitulation (1916) wegen Erschöpfung der Lebensmittel, bis einige seiner Kämpfer zu Skeletten verhungert waren, die Rache der Türken nach Einnahme der Stadt an der einheimischen Bevölkerung der Stadt, für die zu einem gewissen Zusammenleben mit den britischen Besatzern kaum eine realistische Alrernative bestanden hatte, sowie der Tod von ca 4.200 von ca 12.000 britischen und indischen Gefangenen sind traurige Blätter der Kriegsgeschichte.
1915/1918 Unter dem Eindruck der türkischen Niederlagen vor allem im Kaukasus, an denen armenische Streitkräfte und Sympathisanten aus dem russischen, aber auch aus dem türkischen Armenien mitgewirkt haben, und als Reaktion auf einen auf türkische Drangsalierungen zurückgehenden gefährlichen und teilweise erfolgreichen armenischen Aufstand hat die türkische Regierung während der ersten Kriegsjahre Armenier massenhaft (zu hunderttausenden) unter zumindest bewußter Inkaufnahme ihres gewaltsamen Todes aus ihren Wohnsitzen vertrieben (Pläne und Befehle von Mehmet Talat Pascha und Dr. Behaeddin Sakir vom Frühjahr 1915) und Evidenzmaterial, das im Zuge der Aufarbeitung der Verbrechen in Verfahren vor türkischen Gerichten gesammelt worden ist (vl. Rogan S. 159 ff., 387 ff.), um der Beeinträchtigung des osmanischen Überlebenskampfes durch diese Volksgruppe Herr zu werden. An der Vertreibung und unmenschlichen Vergehen an den Vertriebenen haben sich den Armeniern feindselig gesonnene örtliche Volksgruppen, vor allem Kurden beteiligt. Die Zahl der Vertreibungsopfer und der im Zuge der Vertreibung getöteten Armenier beträgt höchstwahrscheinliche mehrere hunderttausend, ist aber im übrigen umstritten. Während gesicherte Zahlen fehlen, schwanken Schätzungen zwischen 37.000 (eine nach Eugene Rogan von einem französischen Missionar geschätzte Zahl) oder 300.000 Toten (Kamuran Gürün , "The Armenian Files", 1985, S. 217, 219) und 1.250.000 Toten (nach armenischen Angaben während der Friedensverhandlungen von Lausanne 1923) oder 1.500.000 Toten (Wolfgang Gust (Hrsg.), "Der Völkermord an den Armeniern 1915/16", 2005) bei einem Anteil der Armenier an der Bevölkerung der Türkei von zwischen 1.300.000 und 2.250.000 (Gürün S. 288). Hunderttausende konnten ins Ausland fliehen. Die mörderische Vertreibung der Armenier ist bis heute weit mehr als andere Vertreibungen ähnlicher Art und Größenordnungen Gegenstand erbitterter internationaler Kontroversen, unter anderem im Anschluß an den Begriff "Völkermord". Die Kontroverse hat in Frankreich sogar zur gesetzlichen (2012) „Feststellung“ eines von der Türkei zu verantwortenden Mordes an den Armeniern geführt. Der Präsident des deutschen Bundestages hat 2015 an die Ereignisse vor 100 Jahren erinnert. Er hat sie als "Völkermord" bezeichnet und Deutschland eine Mitverantwortung dafür zugewiesen.
1916 Alliierte besetzen Saloniki.
1917 Der von den Britern halbherzig unterstützte "Arabische Aufstand" des Sharfi Huseyin und seiner Söhne, unter denen Faysal hervortrat, gegen die Osmanen hatte trotz eines spektakulären Höhepunkts der Eroberung von Aquaba (1917) keinen maßgeblichen Einfluß auf den Kriegsverlauf.

König Constantin von Griechenland dankt ab; Eleftherios Venizelos, fanatischer Protagonist der "Megali Idea", zum zweiten Mal griechischer Ministerpräsident.
1918 Rußland räumt Ostanatolien. Im Frieden von Brest-Litowsk erhält die Türkei Igdir.Dennoch brach die türkische Kriegführung im Oktober 1918 vollständig zusammen. In wechsselvollen Kämpfen war es den Briten und Australiern unter Sir Edmund Allenby gelungen, die Türken aus dem Sinai, aus Palästina und zu verdrängen. Im Oktober erreichten sie Damaskus und nahmen in den folgenden Wochen die wichtigsten Positionen im Libanon und in Syrien ein.

Am 8. Oktober trat die Regierung Talat zurück. Talat, Cemal und Enver flohen nach Deutschland. Die unter Ahmet Izzet Pasha gebildete Regierung trat in Verhandlungen mit den Alliierten ein, die zum Waffenstillstand von Moudros auf Lemnos vom 30.10.1918 führte.

Die große Kampfkraft der Osmanen war regelmäßig einem starken Nationalbewußtsein und einem Gefühl religiöser Verpflichtung zum Jihad, zum Glaubenskrieg in Verbindung mit einer gewissen Neigung zu Kämpfertum entstanden. Der Einsatz war auf alliierter Seite ebenfalls durch Nationalbewußtsein und sicherlich auch Glaubensüberzeugung nicht weniger stark begründet. Die Verluste waren auf beiden Seiten sowohl in den Einzelkämpfen als auch insgesamt weit höher als die Kriegsplaner vorausgesehen haben können, ohne ihre Verantwortung für die Einhaltung von Grenzen beim massenhaften Einsatz des Lebens von Soldaten zu verfehlen. (Hans Lukas Kieser gibt die Zahl der zivilen Opfer des "osmanischen Krieges" mit ca 5 Millionen an.) Im Ergebnis überwogen nach vier Jahren heftiger Kämpfe unter schweren Verlusten auf beiden Seiten die Zahl, die Waffen und die Organisation der Kriegsführung der Alliierten. Dabei sammelten die Osmanen immer wieder ihre Kräfte zu wirkungsvoller militärischer Aktion. Die totale Kapitulation entsprach nicht dem Kampfverlauf sondern wurde unvermeidlich, als das Übergewicht der Alliierten weitere Kampfanstrengungen ausschloss oder sinnlos machte. Es zeigte sich allerdings bald, dass das Ergebnis der türkischen Kriegsanstrengungen als Grundlage für die Wiedererrichtung einer (wesentlich veränderten) Türkei ausreichte.

1919-1923 In der Folgezeit besetzen England und Frankreich Teile Westanatoliens. Italiener besetzen Antalya, Menderes, Burdur, Egedir. Die von Atatürk vereinten türkischen Kräfte können jedoch Anatolien erfolgreich verteidigen.
1919 März Der auf das osmanische Erbe gerichtete Beutezug des "Westens" geht seinem Höhepunkt entgegen. Briten landen in Batum. Clemeceau, Lloyd George, Wilson und Orlando genehmigen Landung der Griechen in Smyrna (Mai), diese überschreiten am 22.6. die Milne-Linie nach Osten.

Mustafa Kemal Pascha, der Sieger von Gallipoli (später "Atatürk" genannt), beginnt in Kongressen von Erzurum (Juni), Sivas (September) und Ankara, den türkischen Widerstand zu organisieren.
1920 Istanbul unter britischer Militärverwaltung (16.3. bis 9.7.). Die Alliierten planen die Aufteilung der Türkei, Verselbständigung von Armenien, lokale Autonomie für Kurdistan östlich des Euphrat unter amerikanischem Mandat. Unterwerfung der türkischen Wehrmacht und Wirtschaft unter alliierte Kontrolle. Die auf Zerstörzung der Türkei gerichteten Forderungen der Alliierten und das brutale Vorgehen der Griechen im Raum Smyrna verletzen das türkische Nationalgefühl. Ihre nationale Bewegung gründet am 23. April 1920 ein Parlament in Ankara, das Mustafa Kemal zum Führer der Bewegung wählt. Die Nationalarmee durchbricht im Anschluss die Truppen des Sultans in Richtung Istanbul. Karabekir schlägt die mit Rußland verbündeten Armenier (23.4.).

Konferenz von San Remo: Völkerbundmandate an Frankreich über Syrien und an England über Irak und Palästina - Diktat von Sèvres (10.8.): Thrakien, Imbros, Tenedos und Smyrna (Izmir) an Griechenland.

Frieden mit Armenien (2.12.), das zugleich Sowjetrepublik wird. Türkei erhält Kars und wiederum Igdir. Eine Woche später: armenische Westgrenze durch Wilson im Auftrag des Völkerbunds festgelegt.
1920/21 Franzosen erobern Antep, Urfa, Maras, Adana, werden aber in den Kilikischen Pässen von der türkischen Nationalarmee geschlagen, räumen „Zone Nord“ im Nov/Dez. 1921.
1920/22 Griechisch-türkischer Krieg. Griechen besetzen nach der ergebnislosen Konferenz von London vom Februar 1921, in der die Griechen Vorschläge der Alliierten zur Revision des Diktats von Sèvres sowie Volksabstimmungen in Thrazien und Smyrna zurückweisen, zunächst Thrakien und sodann mit britischer Unterstützung, die jedoch alsbald zurückgezogen wird, Westanatolien.
1921 Vertrag von Moskau (Atatürk, 13.3.): Batum an Georgien, Artvin und Ardahan an Türkei.

Ab August 1921 gelingt es den Türken, die Griechen zurückzuschlagen. Ismet siegt über die Griechen, die seit 1920 große Teile Anatoliens besetzt hatten, bei Inönü (20.1. und 20.3.). Türken siegen über Griechen am Sakarya-Fluß (August/September). Ihr Sieg bei Smyrna (Izmir) erzwingt den Abzug der Griechen aus Anatolien. Nach Kräften massakrieren sie bei ihrem Rückzug die türkische Bevölkerung und hinterlassen verbrannte Erde. Vertreibung von hunderttausenden Griechen aus Anatolien und Thrazien (Eleftherios Venizelos macht auf der Lausanner Kkonferenz von 1923 geltend, es seien 430.000 gewesen, es kursieren aber noch höhere Zahlen) und von 600.000 Türken vom Balkan nach der Türkei (1921/22). Die griechische Bevölkerung soll von 2.760.000 vor dem ersten Balkankrieg um mehrere Millionen angewachsen sein, was mit diesen Bewegungen nur teilweise zu erklären wäre.
1922 März Italien räumt Anatolien.

Kemalisten heben das Sultanat förmlich auf. Abschaffung der Scharia- Gerichtsbarkeit. Trennung von Staat und Religion.
1923 Revision des Diktats von Sèvres im Frieden von Lausanne (24.7.), Anatolien und ein Teil von Thrakien wird wieder türkisch, Verzicht der Türkei auf Zypern und die jonischen Inseln. Vereinbarung eines Bevölkerungaustauschs, in dessen Vollzug ca 1 Million Griechen aus der Türkei nach Griechenand und ca 400.000 Muslime aus Griechenland nach der Türkei migrieren mussten.

Ausrufung der Republik Türkei (29.10. - Nationalfeiertag). Mustafa Kemal "Atatürk" Staatspräsident bis 1938. Die Kemalistischen Reformen bringen den in mancher Hinsicht rückständigen Staat und die entsprechend rückständige Gesellschaft der Türkei binnen 15 Jahren den Verhältnissen der modernen westlichen Welt ein großes Stück näher. Ersetzung des arabischen durch das lateinische Alphabet, Abschaffung des Gesichtsschleiers. Wahlrecht für Frauen. Einführung westlicher Rechtsordnungen.
1931 Kirchengeführter Aufstand der griechischen Zyprer mit dem Ziel, den Anschluß der Insel an Griechenland (sogenannte "Enosis" durchzusetzen, von der britischen Regierung niedergeworfen, "Gesetzgebungsrat" der Zyprer abgeschafft. Das bereis jahrzehnte alte Enosis-Streben bestimmt die politische Lage Zyperns bis zum Versuch einer zyprischen Staatsgründung in den Jahren 1959/60.
1936 Meerengenkonvention von Montreux, türkische Souveränität bekräftigt.
1938 Atatürk gestorben. Ismet Inönü Staatspräsident.
1939 Hatay türkisch( 23.7.)

Jüngere türkische Geschichte in Stichworten.

1940-1960 Neutralität im Zweiten Weltkrieg. Türkei nimmt zahlreiche prominente politische Diktatur- und Verfolgungs-Flüchtlinge aus Deutschland auf. Mehr türkische als griechische Zyprer kämpfen britischer Seite.

Die Republikanische Volkspartei Atatürks (CHP) erhält Konkurrenz durch die Demokratische Partei.
1943 Angesichts laufender Enosis-Agitation der Zyperngriechen formiert sich Vereinigung der Zyperntürken KATAK unter Fazil Kuchuk.
1944 In Zypern richtet die britische Verwaltung gemischte griechisch-türkische Gemeindeverwaltungen ein, an deren Fortbestand sich 1963 ein besonders destruktiver Ausbruch des Zypernkonflikts entzüngen sollte. Angesichts laufender Enosis-Agitation der Zyperngriechen formiert sich die Vereinigung der Zyperntürken KATAK unter Fazil Kuchuk.
1945 Kriegserklärung der Türkei an Deutschland und Japan (23. Februar). Beitritt zur Organisation der den Vereinten Nationen.

Ende des Einparteiensystems.
1950 Sieg der Demokratischen Partei (DP), Staatspräsident Celal Bayar . Adnan Menderes Ministerpräsident mit Hilfe des Versprechens einer stärkeren Berücksichtiung des Islam. Inönü lehnt Putsch gegen seine Abwahl ab.

Beteiligung am Korea-Krieg auf Seiten der USA.

Kirchlich organisiertes Enosis-Plebiszit der Zyperngriechen. Mouskos als Makarios III. Erzbischof von Zypern.
1950-1969 1950-1969 Rückkehr des Islams in das öffentliche Leben (Imam-Hatip-Schulen). Liberalisierung und Industrialisierung der Wirtschaft. Auslandsschulden, Inflation, soziale Spannungen.
1952 Beitritt zu der am 4.4.1949 gegründeten North Atlantic Treaty Organization, gleichzeitig mit Griechenland, auch als Reaktion auf russische Gebietsansprüche.

Zyprische Enosis-Agitation durch Makarios nach Griechenland getragen.
1954 Erste geheime Waffenlieferungen aus Griechenland nach Zypern. Der nach Beendigung des griechischen Bürgerkrieges in diesem hervorgetrene griechische, in Zypern geborene Guerilla-Spezialist Oberst Georgios Grivas beginnt mit den Vorbereitungen seines Guerilla-Krieges gegen die Engländer auf Zypern. Aufbau der terroristischen Organisation "für den Kampf um Zypern" EOKA. Griechenland befasst die Vereinten Nationen mit dem selbstgemachten Zypernkonflikt unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht. Die türkische Partei verlangt entweder Rückgabe Zyperns an die Türkei oder Teilung - ebenfalls zum Zweck der Selbstbestimmung.
1955 In Zypern finden im April die ersten EOKA-Anschläge statt. Der in einem Jahr Vorlaufzeit der Anwesenheit Grivas' auf der Insel durch Rekrutierungen, Bereitstellung von Waffen und Planung vorbereitete massive griechische Terrorismus war als Nachdruck für die griechische Enosis-Forderung auch an die türkischen Zyprer und die Türkei adressiert, die sich der Forderung entschieden widersetzten. Die Stoßrichtung kam in einem Anschlag der Grivas-Terroristen auf einen türkischen Polizeiposten im Zentrum von Nicosia im Juni zum Ausdruck, bei dem 13 Türken verletzt wurden.

Anfang September wurden in einer offenbar zumindest im Kern vorausgeplanten und organisierten Aktion in Istanbul 72 griechische Kirchen und 30 griechische Schulen sowie griechische Friedhöfe verwüstet. Ähnliche Übergriffe ereigneten sich auch im Raum Izmir. Es gab Tote, Verwundete und Vertriebene. Selbstverständlich sind die Greueltaten durch diesen Zusammenhang nicht gerechtfertigt. Sein Verschweigen verfälscht jedoch das Bild der Geschichte und ist geeignet, Unfrieden zu stiften.
1955/1956 Londoner Zypernkonferenz (Harold Macmillan, Menderes, Zorlu) bringt keine Ergebnisse. Deportation des Erzbischofs Makarios und des Bischof von Kyrenia nach den Seychellen. 1956 "Radcliff"-Plan für Zypern (gemeinsames Parlament aber weitgehende Autonomie für die verschiedenen zyprischen Volksgruppen). Lennox-Boyd: Self determinatin must include partition as an option (1958 von Macmillan bestätigt).

Nach einer Intervention, durch die das Militär als Hüter der Verfassung auftritt, wird das Istanbuler Pogrom durch türkische Gerichte geahndet. Die Türkei hat Entschädigungen geleistet. Ministerpräsident Menderes und sein Minister Zorlu wurden als Drahtzieher mit Gefängnis bestraft und später wegen Verfassungsbruchs hingerichtet (siehe 1961).
1957 Nur mehr knapper Wahlsieg der DP.
1957/1958 Auf Zypern beginnt die EOKA mit gewaltsamer Isolierung und Unterdrückung der türkischen Zyprer in gemischten Dörfern. Brandstiftungen und Anschläge führen zu massiven Umsiedlungen. Um Teilung und ein sich anbahnendes Englisch-Griechisch-Türkischen Conodominiums zu vermeiden zeigt Makarios Bereitschaft für die Errichtung eines unabhängigen zyprischen Staates.
1959/1960 Ausarbeitung und Abschluß eines Vertragswerks von Zürich, London und Nikosia zwischen England, Griechenland, der Türkei und den griechischen und türkischen Volksguppen über die Errichtung einer Republik Zypern mit Autonomie- und weitreichenden Vetorechten für die türkische Volksgruppe, die durch Interventionsrechte Englands, Griechenlands und der Türkei gesichert sind. Makarios Präsident, Kuchuk Vizepräsident.
1960-1963 Nach Aufgabe der englischen Souveränität über Zypern westlicher Versuch der Ausmanövrierung der Türkei im Konflikt zwischen dem griechischen Herrschafts- und dem türkischen Teilungs- und Selbstbestimmungsanspruch. Verträge von Nikosia zwischen England, der Türkei, Griechenland und den griechischen und türkischen Volksgruppen in Zypern über die Gründung einer "Republik Zypern". Unterzeichnung einer Verfassung für eine solche Republik durch die Führer beider Volksgruppen. (1960.) Es wird jedoch lediglich mit der Inkraftsetzung eines Teils dieser Verfassung begonnen. Alsbald nach Vertragsschluß und Beginn einer Art Verfassungsleben erklärt die Führung der griechischen Bevölkerungsgruppe, dass sie sich von den Veträgen und der Verfassung zu lösen beabsichtigt, soweit sie griechischer Souveränität über die Insel entgegensteht. Sie macht geltend, sie sei durch Zypern-Rechtsakte nicht gebunden, weil sie sich zur Zustimmung dadurch gezwungen gesehen habe, weil anders ihrem Ziel der Souveräntität über Zypern nicht näher zu kommen war.
ab den 1960er Jahren Millionen Türken emigrieren nach Europa.
1960 Eine Ermächtigungsgesetzgebung auf Veranlassung der Regierung Menderes führt zur Machtübernahme durch das türkische Militär.
1961 Gegen mehrere hundert Personen werden von einem Sondergericht (6 Zivil- und 3 Militärrichter) in gut anderthalb Dutzend - nach dem Gerichtsort so genannte - "Yassiada"- Prozessen Straftaten der Regierung Bayar/Menderes, auch im Zusammenhang des Griechenpogroms von 1955 aufgearbeitet. Es ergingen unter anderem Todesurteile gegen Menderes und seinen Minister Zorlu wegen Verfassungsverletzungen, die 1961 durch Hängen vollstreckt wurden.
1961-1965 Neue Verfassung. İsmet İnönü Ministerpräsident.

Gastarbeiter-Anwerbeabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland. In den folgenden Jahrzehnten siedeln Millionen Türken nach Deutschland über.

In der Türkei Phase stark wechselnder Mehrheiten, häufiger Neuwahlen, Parteineugründungen, Einflussnahmen des Militärs.
1963 EWG Assoziationsabkommen.

„Gerechtigkeitspartei“ AP (Adalet Partisi) Nachfolgerin der verbotenen DP.
1963-1964 Entgegen einer 1960 vereinbarten verfassungsrechtlichen Garantie getrennter Gemeindeverwaltungen in den 5 größten Städten Zyperns führt Makarios, der militant hellenistische religiöse und politische Führer der griechischen Zyprer, griechisch dominierte Gemeinderverwaltungen ein und weigert sich, ein Urteil des zyprischen Verfassungsgerichts vom April 1963 zu beachten, das das Vorgehen für verfassungswidrig erklärt. Als die Garantiemächte kaum Notiz nehmwen, schlägt Makarios Ende November 1963 vor, die wesentlichen Rechte der türkischen Zyprer aus der Verfassung von 1963 zu eliminieren. Als die türkischen Zyprer ablehnen, treten ab Weihnachten 1963 überall auf der Insel bewaffnete Griechen den Türken mit dem Anspruch auf Unterwerfung gegenüber. Beginn türkischer Selbstverwaltung auf der Insel in territorialen Enklaven, in denen sich die Türken der griechischen Machtausübung zu entziehen vermögen.

Die Vereinten Nationen verlangen nach Entstehen der türkischen Enklaven und nach und während der Flucht der türkischen Zyprer in diese Enklaven die Einstellung der Kämpfe.
1964-1974 Ca. 30.000 Zyperntürken haben sich aus ihren Wohngebieten, in denen sie griechischen Gewalttaten ausgesetzt und teilweise in Massengefangenenlagern zusammengetrieben worden waren, in wenigen über die Insel vertreute Enklaven konzentriert, wo sie zunächst durch griechische Belagerungskräfte von lebensnotwendiger Versorgung abgeschnitten waren. Eine UN-Streitmacht lockerte die Isolierung bis ihr Existenzminimum wieder hergestellt werden konnte. Inzwischen wurde außerhalb der Enklaven ein rein griechischer Staat errichtet, in dem die Rechte der türkischen Zyprer aus der Verfassung von 1960 nicht galten. Das lief auf Ausschluß der Zyperntürken aus einer normalen rechtssicheren Entfaltung durch ein erdrosselndes Embargo hinaus, aus dem sie sich nur durch Unterwerfung unter griechische Souveränität hätten lösen können. Da der neue griechisch-zyprische Staat von den Vereinten Nationen als Souverän über die Insel anerkannt wurde, verliefen die zugleich von ihnen ermutigten unendlichen Verhandlungen zwischen den griechischen und türkischen Zyprern über Formen eines einvernehmlichen Zusammenlebens ergebnislos. Die Griechen hatten ein weit größeres Interesse an der - sei es territorial beschränkten - Fortsetzung ihrer Souveränität unter Ausschluss türkischer Rechte als an einer Wiedervereinigung und Wiederherstellung türkischer Rechte.

In der Türkei Ende der 1960er Jahre Zunahme linker und rechter Terror- Aktivitäten. Rapide Verschlechterung der Wirtschaftslage.
1965 Absolute Mehrheit der AP unter Demirel.

Ende der 1960er Jahre Zunahme linker und rechter Terror- Aktivitäten. Rapide Verschlechterung der Wirtschaftslage.
1971 1971 Unter dem Druck der Armee (zweite Militär-Intervention) tritt Demirel zugunsten einer überparteilichen Regierung zurück, die Maßnahmen gegen Terrorismus ergreift.
1973 Bülent Ecevit (CHP) Wahlsieger. Koalition mit neu ins Parlament eingezogenen Islamistischen Nationalen Heilspartei (MSP) des Necmettin Erbakan, die die Aufhebung der Trennung von Staat und Religion sowie Wiedereinführung der Scharia fordert.
1974 Versuch organisierter und bewaffneter griechischer Zyprer und einer Streitmacht aus Festlandgriechen, ganz Zypern gewaltsam nach Griechenland einzugliedern. Türkischen Truppen landen auf Zypern und grenzen nach heftigen Kämpfen mit den Griechen einen Nordteil der Insel als türkisches Territorium gegen griechische Herrschaftsansprüche ab, was auf eine Vertreibung von jedenfalls mehr als 80.000 Griechen hinauslief. In dieses Gebiet konnten die zyprischen Türken aus den Enklaven umsiedeln und dort einen eigenen Staat zu errichten. Die Vereinten Nationen unterstützen dagegen weiterhin den Anspruch der Griechen auf die ganze Insel, fordern aber dazu auf, die Waffenstillstandslinie nicht zu verletzen.

Die griechische Anschlussaktion stieß auf den Widerstand von Makarios und seinen Anhängern, die eine Fortsetzung des status quo mit seinen Zukunftschancen vorzogen. In bewaffneten Kämpfen zwischen den griechischen Parteien kamen Hunderte ums Leben. Diese Verluste wurden später von griechischer Seite der türkischen Intervention zugeschrieben.

Waffenembargo der USA gegen die Türkei.
1978 Eskalation seit den 60er Jahren virulenter kurdischer Autonomiebestrebungen. Jahrzehntelang hatte die Türkei gegenüber den Kurden eine gewaltsame Assimilierungspolitik betrieben. Offiziell wurden kulturelle und ethnische Unterschiede zwischen Kurden und Türken geleugnet und die Kurden als „Bergtürken“ bezeichnet. Aufgrund staatlicher Restriktionen konnte die kurdische Kultur nicht frei ausgelebt werden. Die kurdische Sprache durfte weder an den Schulen gelehrt noch zwischen den Schülern gesprochen werden. Auch die Benutzung der kurdischen Sprache auf Ämtern und jegliche Art von Medien in kurdischer Sprache waren verboten. Dagegen hatte sich schrittweise kurdischer Widerstand formiert. Nun kommt es zur Gründung der Partiya Karkerên Kurdistan (PKK). Sie führt durch Gewaltakte, denen die Armee mit Schärfe entgegentritt, bürgerkriegsähnlichen Zustände herbei.
1980 Dritte Militärintervention. Machtübernahme durch das Militär am 12. September (General Kenan Evren).
1982 Von Militärführung vorgelegte, durch Volksentscheid angenommene neue Verfassung. Kenan Evren Staatspräsident. Kriegsrecht verhängt, alle politischen Parteien verboten. Demirel und Ecevit unter Hausarrest. Das Militär versucht, die Gesellschaft der Türkei durch „Säuberungsaktionen“ in staatlichen Institutionen zu "entpolitisieren". Zehntausende Menschen waren betroffen. 10%-Schwelle für Teilnahme von Parteien am Parlament.
1983 Sozialdemokratische Partei (Sosyal Demokrasi Partisi - SODEP); Demokratische Linkspartei Demokrat Sol Partisi - DSP - Ecevit), Partei des rechten Weges (Doğru Yol Partisi DYP - Demirel ); Mutterlandspartei (ANAP). Turgut Özal (ANAP) gewinnt Wahlen. Marktwirtschaftliche Reformen führen zu Wachstum, jedoch um den Preis hoher Inflationsraten.

Ausrufung der Türkischen Republik von Nordzypern. Die Vereinten Nationen ersuchen alle Nationen, von einer Anerkennung dieser Republik abzusehen.
1984-1986 Kriegsrecht in den kurdischen Provinzen aufgehoben. Verbot der kurdischen Sprache außer Kraft gesetzt. Liberalisierung der Mediengesetze, Zulassung privater Fernsehsender. Zugleich geht jedoch ab 1984 die PKK zum offenen bewaffneten Kampf für ein unabhängiges Kurdistan über. Bis 1999 sollten im Krieg zwischen dem türkischen Militär und den PKK-Kämpfern 30.000 Menschen ums Leben kommen. Die türkischen Verhältnisse bleiben durch diesen Konflikt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts instabil. Im Irak-Krieg und in den kriegerischen Auseinandersetzung mit dem "Islamischen Staat" sollen die Feindseligkeiten wieder aufflammen.
1987 Europäische Gemeinschaft lehnt den Antrag der Türkei (Özal - 14.4.) auf Aufnahme ab.

Turgut Özal (ANAP) erneut Wahlsieger.
1989 Özal Staatspräsident (1.10.). Yıldırım Akbulut Regierungschef.
1990 Die 90er-Jahre sind in der Türkei wieder durch wechselnde politische Mehrheiten und ständige Neuwahlen gekennzeichnet.

Im Zweiten Golfkrieg 1990 stellte sich die Türkei auf die Seite der USA und ihrer Alliierten und damit gegen den Irak. Als Saddam Husseins Truppen gegen die kurdische Bevölkerung vorgingen, errichtet die Türkei auf ihrem Staatsgebiet eine Sicherheitszone und bietet so Hunderttausenden irakischer Kurden Schutz.
1991 Den kommunistischen und islamistischen Parteien wird das politische Handeln verboten. Zugleich wird durch restriktiven Antiterrorgesetze die freie Meinungsäußerung beschnitten.

Mesut Yılmaz folgt Akbulut an der Spitze der ANAP nach.
1993 Nach dem Tod Özals wird Demirel am 16. Mai 1993 zum Staatspräsidenten gewählt. Als Ministerpräsident folgte ihm Tansu Çiller als Parteichefin der DYP. Sie führte auch die Regierungskoalition mit der Sozialdemokratischen Partei des Volkes (Sosyaldemokrat Halkçı Parti, SHP) weiter.

Die Regierung Özal suchte eine Entspannung der Kurdenfrage. Nach Ernennung von Tansu Çiller zur Ministerpräsidentin eskalierte der Konflikt jedoch wieder. Der nationale Sicherheitsrat hatte 1992 die Weichen für eine "militärische Lösung" der Kurdenfrage gestelltn und das Militär räumte bis 1994 ca. 2000 Dörfer im Südosten der Türkei, die als Operationsbasen der PKK gelten. Über zwei Millionen Kurden sollen zu Flüchtlingen gemacht worden sein. (Vgl. NZZ 13.12. 1996). Die PKK reagiert mit Gegenterror. Die Regierung setzt auch bewaffnete so genannte Dorfschützer ein.
1994 Islamisten der Wohlfahrtspartei RP (Refah Partisi) unter Necmettin Erbakan erringen 18,75 % der Stimmen in der Kommunalwahl und damit dritten Platz nach DYP und ANAP. Tayyip Erdogan erfolgreichern Oberbürgermeister von Istanbul.
1995 Am 1. Januar 1996 tritt die Zollunion mit der EU in Kraft.

Entstehen der neuen CHP unter Einschluß der SHP unter Deniz Baykal. Neuwahlen nach Aufkündigung der Koalition mit der DYP, aus denen die islamistische Wohlfahrtspartei (RP), mit 21,38 % als stärkste politische Kraft hervorgeht. Schache Koalitionsregierung DYP/ANAP.
1996 Regierungsumbildung: Koalitions RP (Necmettin Erbakan)/DYP. Ciller Außenministerin.

Im August 1996 beendete das Parlament den Ausnahmezustand in den Kurdenprovinzen, erteilte der Armeeführung jedoch erweiterte Vollmachten bezüglich militärischer Einsätze, Verhaftungen und Zensur in allen Provinzen des Landes.

Bei einem Unfall am 3.11. sterben in demselben Auto bei Susurluk der rechtsradikale Terrorist Abdullah Çatlı, die Geliebte eines ermordeten Mafiabosses Gonca Us und der Chef der Istanbuler Polizei Hüseyin Kocadağ. Catli war in den 70er Jahren führendes Mitglied der "Ülkücüler" ("Idealisten", bekannt als "Graue Wölfe"), später führend im Drogen- und Waffenhandel. Überlebender Insasse war Sedat Bucak, ein DYP-Abgeordneter und Oberhaupt eines kurdischen Clans. Eine Verbindung vieler politischer Kräfte mit Ausnahme der islamischen Wohlfahrtspartei Erbakans und mehrerer Regierungen mit der Unterwelt zur Verfolgung ihrer Ziele und besonders zur Bekämpfung der PKK und damit wirksamer Schutz krimineller Organisationen, die sich unter anderem mit Drogen- und Waffenhandel sowie Verbreitung des Glücksspiels befassen (80 % der in Europa konsumierten Drogen sollen über die Türkei dorthin gelangen), wird allgemein als Wirklichkeit wahrgenommen. Am 8.12. warnen 61 Universitäts-Rektoren vor den Folgen des Skandals. (Vgl. NZZ vom 13.12.1996)

Inflation: 85&.
1997 Ein Waffenstillstandsangebot der PKK lehnte die türkische Armeeführung im Januar 1997 ab. Am 14.5.1997 drangen türkische Truppen 200 km in die Autonome Region Kurdistan im Nordirak ein.

Die Politik Erbakans kollidiert mit laizistischen, von der türkischen Militärführung über den Nationalen Sicherheitsrat gewahrten Verfassungsgrundlagen. Zusammenarbeit Erbakans mit Erdogan.

Der Industrialist Rahmi Koc (*1930) laut Handelsblatt vom 13.1.1997: Unter Erbakan habe zwar eine islamische Partei die Führung. Erbakan will eine "Development 8 Gruppe" aus Ägypten, Bangladesh, Indonesien, Iran, Malaysia, Nigeria, Pakistan und der Türkei mit 600 Mio Menschn bilden. Aber die Türkei werde kein Iran oder Algerien, sie sei eine Demokratie, säkularisiert, habe die lateinische Schrift. Viele Verlautbarungen Erbakans seien als "Public Relations" zu werten.

Am 28.2.1997 erließ der Nationale Sicherheitsrat einen den Islamismus eindämmenden Forderungskatalog. Da ihn Erbakan nicht umsetzen konnte oder wollte, trat er am 30.6.1997 zurück. Erdogan verliert Bürgermeisteramt.
1998 Am 16.1.1998 verbot das Verfassungsgericht die RP und belegte Erbakan mit einem Politikverbot. An die Stelle der RP trat die Tugendpartei (Fazilet Partisi - FP). Dem Nachfolger von Erbakan Mesut Yilmaz wurde im November 1998 das Vertrauen wegen Korruptionsverdachts entzogen.
1999 Nach Aufgreifen des PKK-Führers Abdullah Öcalan in Kenia und seiner Verbringung nach der Türkei kommt Waffenstillstand zwischen PKK und Militärführung zustande, die bis 2004 anhält.

9.6.DSP/MHP Koalitionsregierung unter Bülent Ecevit. Hebt im August das Politikverbot gegen Erbakan auf.

17.8. Erdbeben in Izmit und Marmararegion legt auch Istanbul Ca. 20.000 Tote, fast 50.000 Verletzte.
2000 Fortschreitende Islamisierung unter Zurückdrängung der kemalistischen Kräfte und - entsprechend westlichem Drängen - politische Entmachtung der diese Kräfte unterstützenden türkischen Armee.

Ahmet Necdet Sezer Staatspräsident.

Entdeckung von Steuerhinterziehungen und Veruntreuungen führen zu einem Börsencrash und zu Kapitalflucht.
2001 Massive Abwertung der Türkischen Lira.

Erdogan trennt sich von Erbakan.
2002 Verfassungsänderung (Bürgerrechte, Antikorruption, Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Sozialversicherung, Privatisierung) unter Ecevit (Minister Kemal Dervis) sollen Beitrittsverhandlungen mit der EU erleichtern.

PKK-Führer Abdullah Öcalan zum Toder verurteilt, Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. Erdogan gründet gemäßigte islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP)
2003 Bei Neuwahlen überspringen nur die AKP unter Recep Tayyip Erdogan(34,4 %) und die CHP (19,4 %) die Zehnprozenthürde.

Erdoğan wird auf Grund Nachwahl in der Provinz Siirt am 11.3. Ministerpräsident. Die AKP bewirkt demokratische Reformen, schafft Todesstrafe ab, verbietet Folter, stärkt kulturelle Kurdenrechte. Reformen nicht immer effektiv.

Die Türkei verweigert den USA Militärbasen für Irak-Krieg. US-Truppen "verhaften" türkische Einheiten im Nordirak.
2003/2004 November 2003/März 2004: al-Qaida-Brandanschläge in Istanbul gegen Synagogen, britisches Konsulat, HSBC-Bank, die Loge türkischer Freimaurer (64 Tote).
2004 Der türkische Präsident Nevdet Sezer weist darauf hin, dass der Nationale Sicherheitsrat der Türkei der Ergänzung des von den Parteien akzeptierten Teils des Annan-Plans durch den UN-Generalsekretär nicht zugestimmt hat. Außenminister Abdullah Gül) erwidert, die Entscheidung liege bei der Regierung. (Turkish Daily News 16.4.2004).

Im Mai Aufnahme "Zyperns" in die Europäische Union unter Missachtung der Existenz der Türkischen Republik von Nordzypern. Die Europäische Union macht sich den griechischen Anspruch auf deren Gebiet zu eigen.

18.8. Lizenz für 3 kurdisch-sprachige Sender. Staatlicher Sender TRT 3 strahlt in Arabisch, Bosnisch, Kurmandschi, Zazaisch aus.
2005 EU Staats- und Regierungschefs entscheiden: Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ab 3.10.2005.

10. August: Konferenz türkischer und kurdischer Intellektueller. Erdogan anerkennt ein "kurdisches Problem".

10.11. Sprengstoff-Anschlag in Hakkari auf ehemaligen PKK-Kader durch PKK-Überläufer mit Unterstützung des militärischen Nachrichtendienstes.
2007 Abdullah Gül (AKP) Staatspräsident. Zusammen mit Erdogan gegen kemalistische Netzwerke.
2008 Aufhebung des Kopftuchverbots an den Universitäten.
2011 Bei den Wahlen erreicht die AKP fast 50% der Stimmen dank Sozialpolitik (Gesundheitsversorgung, sozialer Wohnungsbau). Bevölkerung Istanbuls seit 1950 von 1 auf 15 Mio gewachsen.
2012 EU beanstandet Grundrechtsmängel, insbesondere der Meinungsfreiheit auch Verletzung anlässlich Terrorismusbekämpfung, und verbreitete organisierter Kriminalität.

Entspannung der Kurdenpolitik. Grndung der Kurdenpartei HDP.
2013 Niederschlagung von Opposition gegen Maßnahmen Erdogan's (Gezi-Park-Protest) durch extreme Polizeigewalt (Tote). Endgültiger Bruch Erdogans mit Gülen.
2014 Erdogan Staatspräsident.

Beschwerden über Korruption.
2015 2,7 Millionen Syrer sind in die Türkei geflüchtet. Viele Flüchtlinge sind illegal von der Türkei auf die benachbarten griechischen Inseln und von dort weiter nach Mitteleuropa, vor allem nach Deutschland gelangt. Am 18.3. hat die EU-Kommission mit der Türkei ein Abkommen ausgehandelt, wonach die Türkei illegale Einwanderer nach Griechenland zurücknimmt und dafür andere Flüchtlinge aus der Türkei nach Europa übernommen werden. Außerdem sollen Türken nach Erfüllung von 72 Bedingungen durch die Türkei Visumsfreiheit nach Europa erhalten. Europa leistet finanzielle Unterstützung an die Türkei (3 Milliarden Euro ?) wegen ihrer Belastung durch den Flüchtlingsstrom. Das Abkommen führt in der Folgezeit zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen allen Beteiligten, nicht jedoch zu großen Flüchtlingsbewegungen.

Durch den Abschuss im Herbst eines Kampfflugzeuges der vornehmlich die Gegner des syrischen Assad-Regimes bekämpfenden Russen wegen Überfliegens türkischen Staatsgebietes (von Russland bestritten) gerät die Türkei in einen Konflikt mit Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin dazu in seiner Jahresrede: Allah habe Erdogan den Verstand genommen, und - mit Bezug auf russische Sanktionen gegen die Türkei, zB Einfuhrstop für türkisches Obst und Gemüse - die Türkei werde den Abschuss noch lange bereuen. (NZZ 5.12.2015.)

Bei den Wahlen vom November erringt die Partei von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die absolute Mehrheit (317 von 550 Parlamentssitzen, die kemalistische CHP gewann 134, die prokurdische HDP uner Führung von Selahattin Demirtas 59 Sitze). Die HDP hatte die 10%-Klausel mit 10,8% knapp überschritten. Gegen CHP und HDP kann Erdogan mangels Zweidrittelmehrheit die von ihm angestrebte Verfassungsänderung zur Präsidialrepublik nicht durchsetzen.

Ein Anschlag in Suruc führt zum Wiederaufleben kurdischer Gewaltakte. In die in Syrien und im Irak tobenden Kämpfe scheint die Türkei mehr zur Bekämpfung der Kurden als des "Islamischen Staates" und durch Unterstützung der Nordsyrischen "Turkmenen" beizutragen.
2016 Am 17. Februar und am 13. März 2016 ereignen sich in Ankara Bombenanschläge, bei denen zahlreiche Menschen getötet werden (im März mehr als 30). Sie werden der kurdischen PKK zugeschrieben.

Am 2.6. beschließt der Deutsche Bundestag mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung eine Resolution zur Erinnerung an den türkischen "Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916“ (Drucksache 18/8613). Sie löst in der Türkei Empörung aus und führt zu einer schweren Belastung des Verhältnisses zwischen der Türkei und Deutschland.

Am 28.6. fordert ein dem islamistischen "Jihad" zugeschriebener Selbstmord-Anschlag auf den Atatürk-Flughafen Istanbul 45 Tote und 240 Verletzte.

Petition von 1000 Akademikern "für den Frieden" fordern Änderung der Kurdenpolitik. Am 15.7. versuchen Militäreinheiten die Macht in der Türkei an sich zu reißen. Der Putschversuch bricht am Widerstand eines Großteils der durch Imame (Mehmet Görmez) ermutigten Bevölkerung, vor allem AKP-Anhänger in kurzer Zeit zusammen. Staatschef Erdogan benennt den in den USA lebenden Rivalen Fethulla Gülen als Drahtzieher und veranlasst die Entlassung tausender Militärangehöriger, Richter, Staatsanwälte und anderer Staatsbediensteter, vor allem solcher, die ihre Stellung der früheren Zusammenarbeit seiner Partei mit der den Säkularismus der Türkei akzeptierenden Bewegung Gülen's während der Zeit ihres Aufstiegs der AKP und noch nach Erringung der Macht durh Erdogan verdankten. Der Putsch und das Ausmaß der Reaktion treffen im Ausland auf Ablehnung.
2017 Verfassungsänderungs-Referendum Erdogans für Präsidialrepublik mit starkem Einfluss des Präsidenten auf die Justiz und weitgehende Rechte des Präsidenten zur Parlamentsauflösung angenommen.



Literatur:

Rogan, Eugene, "The Fall of the Ottomans, The Great War in the Middle East", Basic Books, New York, 2015

Safty, Adel, "The Cyprus Question. Diplomacy and International Law", Bloomington 2011


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