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Die Gemeinschaft und der Einzelne. Zum Begriff von "sozial" und "Sozialismus".
The Community and the Individual. On the Nortion of "Social" and "Socialism".
(in German language only)
von/by Dr. Christian Heinze


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pro-re-publica.de
2017 01 23



Unter „sozial“ ist der ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks nach zu verstehen, was „societas“, „Sozietät“, nämlich Gemeinschaft schafft, unterhält und ausmacht. Der „socius“ ist das Mitglied der Gemeinschaft. Von diesem Sinn ausgehend bedeutet „Sozialismus“ als Steigerungsform des Bezugs auf Gemeinschaft höchste oder besonders hohe Bewertung der Gemeinschaft oder von ihr normierter Bewertungen, Interessen oder Zwecke und damit die Unterordnung von Bewertungen, Interessen und Zwecken des Einzelnen. Sozialismus bezeichnet den Gegensatz zu Individualismus.
Als politisches und gesellschaftliches Ideal wird Sozialismus nicht nur mit der Geltendmachung eines Eigenwerts der Gemeinschaft (zum Beispiel in Gestalt eines Volks oder einer Nation) sondern auch damit begründet, dass mit der Verwirklichung der Gemeinschaft, ihrer Interessen und ihrer Zwecke zugleich den (wahren, objektiven) Interessen aller ihrer Mitglieder als Einzelinteressen am besten gedient ist. Für die Güterverteilung (nicht nur der materiellen sondern auch der ideellen Güter) folgt daraus, dass sie entweder für den Einzelnen gleich oder verhältnismäßig („Jedem nach seinen Bedürfnissen“) sein muss. Nach dieser Begründung erscheint Sozialismus als eine Art Massen- Individualismus.
Historisch wurde der Ausdruck Sozialismus im 18. Jahrhundert zur Bezeichnung einer gesellschaftlichen und politischen Reaktion auf verbreitete wirtschaftliche Not oder Unterversorgung und später auch einer Reaktion auf eine als ungerecht empfundene Güterverteilung. Seine Bedeutung wurde konzentriert auf die Güterverteilung an die Masse der Einzelnen. Dieser Gebrauch des Ausdrucks „Sozialismus“ benutzt die Eignung von Gemeinschaft und Gemeinschaftlichkeit zur Förderung massenhafter Einzelinteressen, um damit bestimmte Inhalte und Ziele der nicht nur notwendigen sondern gerechten Güterverteilung zu begründen und zu propagieren. Er wurde so zum Kampfbegriff. der Bezug auf die Gemeinschaft verengt sich dabei mehr oder weniger auf die Instrumentalität der Gemeinschaft als Produzent und Verteilung von Gütern und Leistungen (als Versorger). Ihr ideeller Wert tritt in den Hintergrund, auch weil Einzelversorgung und Gemeinschaftsinteressen in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen.
Starke Betonung von Gemeinschaftswerten in der dem Versorgungs- Sozialismus gewidmeten Begriffsgebrauch bedeutet (etwa im Ausdruck „Nationalsozialimus“) eine Rückkehr zum ursprünglichen Gemeinschaftsbegriff, versucht aber den Propagandawert eines implizierten Versprechens gerechter Güterverteilung beizubehalten. Damit führt der Begriffsgebrauch in die Irre, denn infolge der erwähnten Spannung wird erfahrungsgemäß diese Gerechtigkeit zugunsten von (im Fall des Nationalsozialismus diktatorisch definierten angeblichen) Gemeinschaftswerten immer stärker zurückgedrängt (vgl. die historischen Beispiele des politischen Marxismus etwa in Gestalt Stalinismus-Leninismus in der UdSSR und in der DDR).
Als "sozial" im Sinne des ökonomischen oder politischen Begriffs "Sozialismus" wird alles bezeichnet, was dem jeweiligen Verständnis von Sozialismus entspricht.
Gemeinschaft und Sozialismus sind für die Menschheit lebensnotwendig und übrigens offensichtlich im Wesen des Menschen angelegt. Ihre Verfolgung gerät jedoch in Kollision mit dem ebenfalls im Wesen des Menschen angelegten Freiheitsanspruch. Die notwendige Kollision von Sozialismus und Freiheitsanspruch führt zu Kämpfen und gewaltigen Beschädigungen der Menschheit. Die Bewältigung der Kollision ist Voraussetzung nicht nur für die Verwirklichung des Menschheitsideals Frieden sondern neuerdings für den Fortbestand menschlichen Lebens überhaupt. Sie ist die Menschheitsaufgabe schlechthin.


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