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Brexit !
Von Christian Heinze, am 5. Juli 2016.

Europa hat sich mit der EU in eine Sackgasse treiben lassen. Die Union hat sich zu einer verselbständigten Bürokratie entwickelt, die nicht ohne Mitwirkung europäischer Staaten Anspruch erhebt, Europa zu regieren, ohne auch nur Aussicht auf Erwerb der dafür erforderlichen permanenten Ordnungsmacht über eine integrierte Bevölkerung zu haben.

Aber viele Europäer scheinen sich dabei auf dem Weg in den siebenten Himmel zu sehen. Dass stabile Staaten Voraussetzung für Frieden nach innen und außen und auch für Verwirklichung gemeinsamer Ziele eines Staatenbundes sind, ist aus ihrem Bewußtsein verschwunden. Für die Hoffnung auf den siebenten Himmel verzichten sie (momentan) auf ihre Staatsgewalt. An ihre Stelle drängt sich Kompetenz-Usurpation.

Das Faß lief über, einmal mit der Aufgabe ausreichender Kontrolle einer Masseneinwanderung europafremder Völker an Hand konkreter Integrationsbedingungen durch Deutschland (unter Verletzung des eigenen Rechts durch die eigene Regierung), verbunden mit einem Missbrauch der europäischen Freizügigkeitsübereinkunft als Grundlage einer Forderung an alle EU-Mitglieder, sich der deutschen Selbst-Kastration anzuschließen, und zum anderen mit europäischen Forderungen nach unvertretbaren schuldenfinanzierten Transferleistungen verbunden mit einer unvertretbaren praktisch unbegrenzten Erfüllungbereitschaft.

Durch Volksbegehren vom 23. Juni 2016 hat eine Mehrheit der Briten den Ausbruch aus der Sackgasse gefordert, nachdem Versuche ihrer Regierung, die schlimmsten Fehlentwicklungen zu begrenzen, an der Verweigerung der EU und des zwar gärenden aber noch immer nicht erwachten Deutschland von ergebnisoffenen Verhandlungen gescheitert waren.

Das britische Begehren, das nach seinem Inhalt und nicht nach seinem vielleicht problematischen Zustandekommen zu beurteilen ist (manchmal setzt sich die vom Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel entdeckte "List der Idee" sogar parasitär durch), dient als Reaktion auf die Sackgasse in Wirklichkeit dem Interesse an europäischer Vereinigung. Daran ändert nichts, dass auch die britische Regierung ihren Teil zum Fortschreiten in die Sackgasse beigetragen und nicht frühzeitiger und mit mehr Nachdruck Reformen gefordert hat.

Nicht das Brexit-Begehren sondern die Ausdrücke von Verachtung und die Verunglimpfung des Begehrens, seiner Initiatioren, Befürworter und Träger in führenden eruopäischen und insbesondere deutschen Medien und Politiker-Kreisen lässt die Hoffnung auf eine europäische Gemeinschaft schwinden, die für Europa (und England) lebensnotwendig ist. Denn friedliebende, erwachsene Politik-Subjekte ("grown-ups" in der Sprache des sonst vielfach wenig überzeugenden Michael Farage) würden mit intensiver Suche nach und Analyse von Fehlern und mit dem Entwurf von Berichtigungen, von Kompromissen und von Ausgleich reagieren. Sie würden nicht, wie die momentan tatsächlich überwiegende Öffentlichkeit, unter weitestgehender Ausblendung von Sachfragen sich als emotions-, illusions-, ressentiment- und furchtgeladene Kritiker und Verächter der Vorgehensweise oder der Persönlichkeit der potentiellen Partner hervortun, deren Zusammenhänge und Substanz sie nicht genügend kennen oder beurteilen können oder auch nur zu verstehen versuchen,

Der Brexit-Beschluss hat den Deckel vom kochenden Hirsebreitopf gelüftet. Er fordert eine Entscheidung der Länder Europa heraus, in einer aus Täuschungen und Selbsttäuschungen, aus Illusionen und Überheblichkeiten gebildeten Sackgasse zu verbleiben oder ihre jeweils eigene Staatlichkeit zu reparieren und auf dieser Grundlage zur Verfolgung wirklich gemeinsamer Interessen mit Hilfe eines realistischen Staatenbundes zurückzukehren.
Europe has allowed itself to drift, with the EU, into a dead alley. The Union has developed into an autonomous beaurocracy claiming, with the assistance offered by some European states, to govern Europe, without even a chance of acquiring the necessary permanent, order-providing power over an integrated population.

However, many Eurpeans appear to see themselves on the way to "cloud nine". The knowledge of stable States as a requirement for internal and external peace and also for the realization of common goals through a federation of states has disappeared from their consciousness. Hoping for "cloud nine", they renounce (for the moment) their sovereignty. Usurpators of competence intrude into the gap.

German surrender of sufficient control of non-European immigration by criteria of concrete integration (its goveernment breaking its own laws) in connection with misusing the European agreement on free movement as a tool for pressing all members of the EU to join German self-castration on the one hand, and European demands for over-exaggerated transfers financed by debts in connection with practically unlimited devotion to fulfiment on the other hand, was the straw to break the back of the camel.

By voting on a referendum on 23rd June, 2016, after attempts on the part of the British government to limit the most harmful development failures, have collapsed due to the refusal of the European Union and of the troubled but still not awoken Germany to enter into open-ended negotiations, a majority of Britains have demanded escape from the dead alley.

The outcome of the referendum must be evaluated from its contents instead of its - albeit probably problematic - history. (Sometimes the "insidiousness of reason" - an idea of the philosopher Georg Wilhelm Friedrich Hegel - asserts itself, even in the guise of a parasite). It actually serves, in dealing with the blind alley, the true interest in European unification. This is true in spite of the fact that the British government has contributed to the progress into the dead alley and failed to demand reforms more early and more decisively.

Not the demand for Brexit, but the expressions of contempt and defamation for the demand, for its initiators, supporters and authors used in European and particularly German media and political circles detract from hope for a European community with all its importance for the subsistence of Europe (and England). Because peace-loving, grown-up political subjects ("grown-ups" in the words of the otherwise frequently not very convincing Michael Farage) would react with intensive search for and analysis of defects and with schemes for correction, compromise and balance. They would not, as the momentarily prevailing public does, excel as critics and despisers, carried away by emotions, illusions, resentments, and fear of the proceedings or personalities of their partners-to-be, the implications and substance of which or of whom they can neither know nor judge well enough or which they do not even try to understand.

The Brexit-referendum has uncovered the lid from the pot of cooking sweet porridge. It provokes from the European countries a decision on whether to remain in a dead alley made of deception and self-deception, illusion and assumption or to repair their states and to return, on that basis, to the pursuit of true common interests with the help of a realistic federation of States.



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